Zusammenprall der Kulturen (culture clash)

Das Argument des “Zusammenpralls der Kulturen” (culture clash) ist ein wichtiges Argument oder vielmehr ein Bündel von Argumenten, die gegen Einwanderung aufgeboten werden. Es gibt zwei unterschiedliche Versionen des Arguments. Manche machen nur eine Version des Arguments, manche die andere und manche beide:

  • Die Kultur von Einwanderern ist objektiv der Kultur der Einheimischen unterlegen und/oder objektiv schädlich in einigen wichtigen Hinsichten. Einwanderer würden von daher die Kultur der Einheimischen auch noch beeinträchtigen. Für mehr Information hierzu siehe: dysfunktionale Kultur der Einwanderer.
  • Kulturelle Heterogenität an sich ist nicht wünschenswert wegen ihrer Effekte auf die nationale Einheit, bürgerliche und soziale Teilhabe, Wirtschaftswachstum und Frieden. Sie schafft Assimilationsprobleme für die Einwanderer.

Diese Seite fokussiert sich auf den Aspekt der kulturellen Heterogenität.

Beispielsweise schreibt Peter Brimelow in seinem Buch Alien Nation: Common Sense about America’s Immigration Disaster (hier erhältlich):

Mehr als drei Jahre nachdem ich zum ersten Mal Julian Simon traf, hatte ich ein Abendessen mit ihm, um über unsere Differenzen zu diskutieren. Wir kamen zur Frage, ob Vielvölker- und gemischtrassige Gesellschaften funktionieren können.

“Jugoslawien . . .”, began ich und dachte dabei an den serbisch-kroatisch-bosnischen Krieg, der bis in die Schlagzeilen hinein explodiert war.

“Ja! Jugoslawien!” unterbrach er mich freudig. “Das unterstützt meine Argument, oder?”

Ich war so verblüfft, daß ich meinen Kinnladen herunterfallen fühlte — etwas, was wirklich passiert, wie ich finde, und nicht nur in Cartoons. Ich brauchte mehrere Sekunden, um mir klar darüber zu werden, was er meinte:

• Die ehemaligen Jugoslawen kämpfen trotz der Tatsache, daß sie alle zur selben Rasse (weiß) gehören. Sie sind in der Tat alle Mitglieder derselben allgemeinen ethnischen Gruppe (südslawisch). Sogar die Sprache, die von den hauptsächlichen Kriegsparteien gesprochen wird (Serben und Kroaten) ist grundsätzlich dieselbe (wenn auch mit kyrillischer und lateinischer Schrift geschrieben).

Also — wie Simon sagt — kann man den Bürgerkrieg nicht den trennenden Ergebnissen von nicht-traditioneller Einwanderung zur Last legen. Homogenität ist keine Garantie gegen Unfrieden.

Gut, gut! Fürs Protokoll: lassen Sich mich zugeben (tatsächlich: feststellen): Man kann nicht alles auf Einwanderung oder auf Rassenunterschiede schieben.

Aber wer hat gesagt, daß man das könnte? Die Tatsache bleibt, daß es einem bei dem jugoslawischen Spektakel nur kalt den Rücken herunterlaufen kann — und das ist eine schreckliche Warnung zur aktuellen Einwanderungspolitik der USA. Die Unterschiede zwischen den Jugoslawen sind in der Tat geringfügig — sicherlich im Vergleich zur amerikanischen Nation 1965 und den Einwanderern, die jetzt ankommen. Und das ist der Punkt. Diese geringfügigen Unterschiede waren immer noch genug, um das Land zu zerreißen.

Ich habe niemals an den Debattierkünsten von Simon gezweifelt. Und diese Episode ließ mich mit noch größerem Respekt für seinen Scharfsinn zurück.

Ich sorge mich bloß darum, ob er recht hat.

Unsere Frage im Nachgang dazu, ob gemischtrassige Gesellschaften funktionieren, ist natürlich eine ziemlich schockierende.

Sie ist tatsächlich viel schockierender als die ursprüngliche Frage — warum wollen die Einwanderungsbegeisterten Amerika umgestalten?

Niemand denkt jemals daran, das zu fragen. Aber zu fragen, ob gemischtrassige Gesellschaften funktionieren, ist ziemlich offensichtlich eine unmittelbare Herausforderung für die neueingeführte Staatsreligion. Und da Amerika seit der Kolonialzeit ein Land mit zwei Rassen gewesen ist, scheint es eine pessimistische Sicht für die Harmonie zwischen Schwarzen und Weißen zu implizieren — das größte Problem des amerikanischen Lebens (bis zur Einwanderung ab 1965).

Aber man muß eine simple Tatsache in Betracht ziehen: die Belege dafür, daß gemischtrassige Gesellschaften funktionieren können, ist — was sollen wir sagen? — nicht sehr ermutigend.

In der Vergangenheit hat es natürlich gemischtrassige Gesellschaften gegeben (im engen Sinne normalerweise Vielvölkergesellschaften). Berühmte Beispiele sind das römische Reich oder das arabische Kalifat, das für kurze Zeit im Namen von Mohammed von Spanien bis Samarkand herrschte. Aber das waren Despotien vom alten Stil, keine modernen Demokratien. Und trotzdem kamen ethnische Spaltungen immer noch zur Oberfläche. Die Vorfahren der modernen Iraner rebellierten wiederholt gegen die arabische Herrschaft, auch wenn sie dazu neigten, ihre Revolten in der Terminologie einer bequemen islamischen Ketzerei zu rechtfertigen.

Heterogene Reiche, die Bestand hatten, wie das oströmische Reich von Byzanz, das bis 1453 überlebte, waren im Allgemeinen auf einer ethnischen Kerngruppe aufgebaut — merklich wie unser alter Freund, die „rassische Hegemonie der weißen Amerikaner“. Im Fall von Byzanz waren beispielsweise die Griechen diese Kerngruppe.

In der modernen Zeit hat es eine Menge an verführerischem Gemurmel über Internationalismus gegeben, vereinte Nationen, neue Weltordnungen und so weiter. Doch hat sich die Rolle von Ethnien und Rassen in der Zwischenzeit als elementar — absolut — fundamental erwiesen. Man schaue sich das Register rückwärts von heute an:

• Eritrea, eine vormalige italienische Kolonie, die von Äthiopien seit 1952 beherrscht wurde, Revolten ab den 1960ern, spaltet sich schließlich 1993 ab.

• Tschechoslowakei, 1918 gegründet, teilt sich 1993 in die tschechische und slowakische ethnische Komponente auf.

• Sowjetunion, 1922 gegründet, teilt sich 1991 in mehrere ihr zugrundeliegende ethnische Komponenten auf. (Einige der zugrundeliegenden Komponenten sind selbst sofort von weiterer ethnischer Zerstückelung bedroht — Georgien, Moldawien.)

• Jugoslawien, 1918 gegründet, teilt sich 1991 in mehrere zugrundeliegende ethnische Komponenten auf. (Ein früheres Auseinanderbrechen 1929 wurde durch Einführung einer königlichen Diktatur verhindert.)

• Libanon, 1920 gegründet, fortschreitende Destabilisierung aufgrund des schnelleren Wachstums seiner moslemischen Komponente führt zu Bürgerkrieg, effektive Teilung unter syrischer Vorherrschaft ab 1975.

• Zypern, seit 1960 unabhängig, wiederholte Gewalt zwischen Griechen und Türken führt zu militärischer Intervention durch die Türkei, effektive Teilung 1974 mit erheblichen ethnischen Säuberungen.

• Pakistan, 1947 unabhängig, ethnisch verschiedene östliche Komponente rebelliert, spaltet sich 1971 nach Intervention durch Indien ab.

• Malaysia, 1963 unabhängig, politischer Konflikt zwischen ethnischen Malaien und Chinesen, 1965 wird das von Chinesen dominierte Singapur ausgestoßen.

Und das sind nur die Fälle, wo es ethnische und rassische Unterschiede tatsächlich geschafft haben, ein Land auseinanderzubrechen. Viele andere Fälle sind wegen oft blutiger Repression noch nicht gelöst .

Hier ist eine teilweise Liste: Indien — langwierige separatistische Revolten von Sikhs, Kashmiris, nordöstlichen Bergstämmen. Sri Lanka — langwierige separatistische Revolte durch die Tamilen. Türkei, Irak, Iran — separatistische Revolten durch die Kurden. Sudan, Tschad — endemischer Kriegszustand zwischen dem arabischen Norden und dem schwarzen Süden. Nigeria — Abspaltung der Ibo-Mehrheit als “Biafra” im Bürgerkrieg 1967-70 vernichtet. Liberia — englischsprachige Nachkommen von befreiten Sklaven 1981 durch Stammestruppen gestürzt, Bürgerkrieg macht mehr als die Hälfte der Bevölkerung zu Flüchtlingen. Nordirland — langwierige Kampagne durch Mitglieder der katholischen irischen Minderheit in der Provinz, um die protestantische Mehrheit in Ulster (“Schottisch-Irische”) zu zwingen, die Überführung in die irische Republik zu akzeptieren. Manche dieser Konflikte sind sehr gewalttätig gewesen — über eine Million Tote jeweils in Nigeria und dem Sudan.

Und es gibt eine ganze weitere Kategorie von Streitigkeiten, die hauptsächlich auf politischen Wegen geführt werden. Zum Beispiel: Belgien — Flamen und Wallonen; Kanada — Französisch und Englisch; sogar Brasilien — eine Bewegung in den vordringlich weißen südlichen Staaten Rio Grande do Sul, Santa Catarina und Parand, um sich vom gemischtrassigen Norden abzutrennen.

Was für ein Register! Man würde denken, daß es wenistens etwas Vorsicht anregen würde für die Aussichten einer Vielvölker-, gemischrassigen, multikulturellen Harmonie in dem selben politischen Rahmen.

Aber man würde sich vertun. Der kurz zurückliegende Datensatz scheint sehr wenige Eindruck auf die politische Elite Amerikas gemacht zu haben. (Und auch nicht, um gerecht zu sein, auf die politischen Eliten Kanadas oder Westeuropas. Beide sind fanatisch in Bezug auf ihre jeweiligen transnationalen Bündnisse geblieben.) Was die schiere Macht ihres Willens zu glauben andeutet. Bei diesem Thema ersetzt der Wunsch das Denken.

In der Tat trotz all der gescheiterten Bündnisse und des Vielvölkerchaos der letzten paar Jahrzehnte ist die häufigste Reaktion auf die Infragestellung der Möglichkeit einer Vielvölkerharmonie immer noch: “Und was ist mit der Schweiz?” Die Daten aus der jüngsten Vergangenheit zählen nicht.

Also was ist mit der Schweiz?

• Ihre ethnischen Gruppen, die Deutschen, Franzosen, Italiener und Rumantschen sind rassisch identisch und kulturell sehr ähnlich.

• Die ethnischen Gruppen in der Schweiz sind fragmentiert in eine Anzahl kleiner, getrennter politischer Einheiten, die “Kantone” genannt werden, und jeder davon ist fest unter der Kontrolle der betreffenden Gruppe. Es ist, als wenn Weiße, Schwarze, Hispanics und Asiaten in Amerika alle in mehreren getrennten Bundesstaaten lebten und  diese kontrollierten. Alle bis auf vier der sechsundzwanzig Kantone in der Schweiz und “Halbkantone” sind einsprachig.

• Religion verläuft quer zu den ethnischen Linien. Während der Debatte zum Beispiel, die 1979 zur Schaffung eines neuen französischsprachigen Kantons in der Juraregion des deutschsprachigen Kantons Bern führte, war die beträchtliche Minderheit der französischen Protestanten bemerkenswert weniger begeistert als die französischen Katholiken.

• In der Schweiz insgesamt haben die Deutschsprechenden eine sichere Vorherrschaft. Sie machen etwa 65 Prozent der Bevölkerung der Schweiz aus und kontrollieren siebzehn Kantone. Die Französischsprachigen, die nächstgroße Gruppe machen weniger als 20 Prozent aus und kontrollieren vier er Kantone. Die Italienischsprachigen, weniger als 15 Prozent, kontrollieren einen Kanton, die Rumantschsprachigen, ungefähr 1 Prozent, teilen sich einen dreisprachigen Kanton. Drei Kantone sind zweisprachig.

• Das ethnische Gleichgewicht in der Schweiz ist stabil.

• Und überhaupt gab es einen Bürgerkrieg in der Schweiz (1847). Zudem liefen der Einrichtung eines französischsprachigen Kantons im Jura Jahre kleiner, aber garstiger terroristischer Gewalt voraus.

Schlußfolgerung: die Schweiz ist kaum ein praktisches Modell für die ethnische Politik der USA.

GEMISCHTRASSIGE GESELLSCHAFTEN: HOFFNUNGSLOS, ABER NICHT (NOTWENDIGERWEISE) ERNST?

Das klingt düster? Nicht besonders. Und zwar aus zwei Gründen:

• Undüsterer Grund 1: In der Politik müssen Probleme ohne eine Antwort nicht beantwortet werden. Manchmal kann man sich mit ihnen einfach einrichten.

Es gibt Umstände, unter denen die Unterschiede zwischen Menschen vergessen oder wenigstens eingegrenzt werden können. Die USA sind tatsächlich ziemlich gut dabei, mäßig unterschiedliche Einwanderergruppen zum Zusammenleben zu bringen. Sie waren dabei, an ihrem Problem zwischen Schwarzen und Weißen zu arbeiten.

Aber dieser relative Erfolg der USA lief nicht auf eine Unabhängigkeitserklärung von der Geschichte hinaus. Er hing von Zeit, Anzahl, Grad des Unterschieds … ab und vor allem von einigen sehr spezifischen politischen Maßnahmen wie die “Amerikanisierung”, die allen Unterschied mit einer gemeinsamen amerikanischen Bürgerkultur überschwemmte.

Und diese Politik ist jetzt weitenteils aufgeben worden. (Für weitere Information dazu siehe Kapitel 11, Seiten 216-219.) Trotzdem kann sie wieder hergestellt werden.

• Undüsterer Grund 2: Die meisten menschlichen Impulse haben gute und schlechte Anwendungen. Der Impuls, der Menschen dazu bringt, in den Krieg zu ziehen wegen ihrer rassischen usw. Unterschiede, ist eng verwandt mit dem Impuls, der sie dazu bringt, ihre Familien zu beschützen und zu ernähren.

Die Schwierigkeiten, die durch die menschlichen Unterschiede gestellt werden, sind nur deprimierend, wennn man die menschliche Natur selbst unakzeptabel findet. Leider tut das ein großer Teil der amerikanischen Elite. Von daher bestehen sie darauf, durch Einwanderung die Probleme des Landes schlimmer zu machen — ziemlich unnötiger Weise.

Es ist verlockend zu sagen, daß ihr leidenschaftlicher Wille, an die Möglichkeite einer gemischtrassigen und Vielvölkerharmonie edel ist. Wenigstens sagen sie sich das selbst. Wiederholt.

Aber was so edel daran, darauf zu bestehen, daß man die Zukunft der Nation aufs Spiel setzt für eine Einwanderungspolitik, die eine offensichtlich falsche Sicht der menschlichen Natur widerspiegelt? Besonders wenn die alternative Politik vollkomen praktisch und moralisch ist.

Gute Zäune machen gute Nachbarn — in jedem Sinn des Wortes “gut”. (Für weitere Information über die moralischen Fragen, die sich durch Einwanderung stellen, siehe Kapitel 13.)

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