Politische Externalitäten

Siehe auch Einwände wegen Wohlfahrtsstaat und Steuerlast, cchrumpfen des Wohlfahrtsstaates, Präferenzen von Bürgern für weniger Einwanderung, Verlust der Souveränität und Kontrolle durch andere Staaten, Invasion durch die Fremden und Wahl eines neuen Volkes.

Die Kurzversion dieses Einwandes ist, daß Einwanderer dazu neigen, auf die falsche Art ihre Stimme abzugeben, d. h. für eine Politik stimmen, die dem Wohlstand oder einer gesunden Gesellschaft feindlich gesonnen ist. Ein Teil hiervon kann etwa sein, daß Einwanderer es vielleicht nicht schaffen, sich an die politischen Werte ihers neuen Landes anzupassen oder daß sie vielleicht nicht ihr neues Land als ihr eigenes gefühlsmäßig annehmen.

Einige Versionen dieses Argumentes ziehen andere Eigenschaften von Einwanderern (wie etwa den erwarteten IQ) in Betracht, die systematisch von denen der Einheimischen abweichen. Der IQ könnte einen indirekten Effekt auf die politischen Präferenzen von jemandem haben. Im Aggregat könnte er Effekt zu systemischen Veränderungen führen.

Wer macht dieses Argument?

Das Argument wird im Allgemeinen von Menschen auf der “rechten” Seite des politischen Spektrums gemacht, die Konservative, Libertäre und andere Vertreter eines freien Marktes umfaßt, vor allem wegen Sorgen, daß Einwanderer nach “links” neigen und für eine etatistische und sozialistische Politik stimmen könnten. Linksliberale (im amerikanischen Sinne) können auch Sorgen Ausdruck verleihen über den Mangel an Respekt von Einwanderern für bürgerliche Freiheiten und die freie Rede.

Hier sind einige Schriften, die das Argument aufmachen für politische Externalitäten als hinreichenden Grund für eine radikal beschränkte Einwanderung:

  • The Negative Externalities of Immigration, ein Blogpost von Richard Hoste, in dem er schreibt:

    Leider gehen die Massen mit niedrigem IQ zu den Wahlen. Sie fordern kostenlose Gesundheitsversorgung, Sozialleistungen und Schulen für ihre Kinder.

  • Open borders and the Welfare State , ein Blogpost von Tino Sanandaji, welcher die englische Übersetzung eines Artikels ist, der ursprünglich auf Schwedisch geschrieben wurde. Das Original findet sich hier.
  • Einige Kommentatoren bei EconLog haben Sorgen vorgebracht darüber, daß Einwanderer Bürgerrechte unterdrücken oder Gewinne in einer “progressiven” Richtung rückgängig machen könnten. Beispielsweise sorgt sich Ken B, daß Einwanderer die Fortschritte in Richtung Schwulenehe revidieren könnten. CC und Eric haben Sorgen, daß Einwanderer Abtreibung in den USA illegal machen könnten.
  • Verschiedene Leute haben Argumente gemacht, daß es ein Umkippen (tipping point) bei den politischen Externalitäten von Einwanderung geben könnte: ein bißchen mehr Einwanderung wird die USA dauerhaft auf eine schiefe Ebene hin zu Etatismus und Sozialismus bringen und hin zu einer Bananenrepublik. Eine gemäßigte Version dieser Sorge wird in diesem Kommentar von Mark Crankshaw ausgedrückt.

Zusammenfassung der Gegenargumente

Einige der Gegenargumente werden von Bryan Caplan in einem Blogpost ausgedrückt:

1. Offene Grenzen sind ein extrem wichtiger Bestandteil eines freien Marktes und von menschlicher Freiheit. Der Arbeitsmarkt macht ungefähr 70% der Wirtschaft aus. Arbeit ist das hauptsächliche Produkt, das die meisten Menschen in der Welt zu verkaufen haben. Beschränkungen für Einwanderung verzerren diesen Markt massiv und berauben buchstäblich Miliarden von Menschen der Freiheit, ihre Arbeit gewillten Arbeitgebern zu verkaufen. Also selbst wenn offene Grenzen alle anderen politischen Bereiche weniger markt- und freiheitsfreundlich machen würden, dann würde das Paket aus offenen Grenzen mit ihren Nebenwirkungen fast sicher einen Nettogewinn für freie Märkte und Freiheit darstellen.

2. Der politische Effekt von Einwanderern auf Märkte und Freiheit ist schlimmstenfalls mäßig negativ. Der Amerikaner genau in der Mitte (im Sinne des Medians) ist kein Libertärer und der Einwanderer in der Mitte ist kein Stalinist. Wir sprechen über marginale Meinungsverschiedenheiten zwischen Sozialdemokraten, nicht mehr. Die geringe Wahlteilnahme von Einwanderern und die Tendenz hin zum Status Quo verdünnen den negativen politischen Effekt von Einwanderern.

3. Einwanderer haben positive Effekte für Märkte und Freiheit, die übersehen werden.  Wähler sind freinselig gegen Unterstützung für Außengruppen; das ist eine Standarderklärung, warum die ethnisch diversen USA einen kleineren Wohlfahrtsstaat als, sagen wir, Dänemark haben. Also selbst wenn alle Einwanderer einen größeren Wohlfahrtsstaat haben wollen, verringert ihre schiere Anwesenheit die Unterstützung für Umverteilung durch die Einheimischen. Einwanderer sind auch deutlich freiheits- und marktfreundlicher als Einheimische in einer entscheidenden Hinsicht: Sie bevorzugen offenere Grenzen.

Andere Blogposts von Bryan Caplan, die diese Argumente mehr im Detail ausführen, sind diese:

Weitere Verweise zur empirischen Debatte im Umfeld von politischen Externalitäten finden sich unten auf dieser Seite.

Meta-Gegenargumente

  • Meta-Gegenargument für Abschiebungen: Bryan Caplan hat die Analogie für die etatistische Generation betrachtet: Warum sollte man nicht die junge Generation abschieben, die zum Etatismus neigt?
  • Die Kamera herumdrehen: In einem Blogpost mit dem Titel Turning the Camera Around: the Political Externalities of the Status Quo betrachtet Bryan Caplan die politischen Externalitäten der gegenwärtigen Lage aus der Perspektive von Einwanderern und potentiellen Einwanderern, wobei er Parallelen mit der Apartheid herausstellt (und implizit auch mit den Jim-Crow-Gesetzen).
  • Gegen schiefe Ebenen (slippery slopes): In einem Kommentar zu einem Blogpost liefert Evan ein Argument mit einer schiefen Ebene (dabei zu beachten: Evan benutzt den Begriff “politische Externalität” loser als auf dieser Seite sonst, wobei das teilweise daran liegt, daß Restriktionisten häufig dazu neigen, zwei Dinge miteinander zusammenzuwerfen, nämlich die Veränderungen, die Einwanderer durch ihr Wahlverhalten herbeiführen, und ihr Gebrauch der bestehenden Institutionen, die poltisch bestimmt sind):

    Mein Haupteinwand gegen Argumente vom Typ “Einwanderer nutzen Sozialleistungen zu viel” ist nicht notwendigerweise, ob sie das tun oder nicht. Er ist, daß er Gebrauch solcher Argumente die Sache auf eine schiefe Ebene bringt, die zu allen Arten von schrecklichen sozialistischen Interventionen führen kann. Wenn man damit anfängt, eine Gruppe von Menschen zu beschränken und zu regulieren, weil sie eine größere als durchschnittliche Last den Sozialdiensten auferlegen, wo wird man dann aufhören? Was Konservative und Libertäre nicht schaffen, sich klarzumachen, ist, daß die Linke, wenn sie diese Argumente für politische Externalitäten machen, genau diese selben Argumente nutzt, um alle Arten von schlimmen Beschränkungen für unserer Freiheiten zu rechtfertigen.

    Verbote für Rauchen? Die Linke rechtfertigt sie mit dem Argument, daß Rauchen politische Externalitäten verursacht. Verbote für Fastfood-Restaurants? Die Linke rechtfertigt sie mit dem Argument, daß fette Menschen politische Externalitäten verursachen. Steuern auf süße Getränke? Wiederum rechtfertigt die Linke sie mit dem Argument, daß fette Menschen politische Externalitäten verursachen. Menschen dazu zwingen, Krankenversicherungen abzuschließen? Die Linke rechtfertigt sie mit dem Argument, daß nicht versicherte Menschen politische Externalitäten verursachen. Belastende Regulierungen für Sicherheit? Die Linke rechtfertigt sie mit dem Argument, daß Verletzungen politische Externalitäten verursachen. Und das schlimmste Beispiel von allen, die ich gefunden habe, war ein (zum Glück erfolgloser) Versuch einer Fraktion im niederländischen Parlament, Mütter, die zuhause bleiben, zu besteuern, da sie, weil sie nicht arbeiten, die “Investition” des Staates für ihre Ausbildung nicht zurückzahlen.

    Von daher habe ich mich entschieden, aus Prinzip und einseitig alle Argumente aufgrund von “politischer Externalität” zurückzuweisen, um die Freiheit von Menschen zu beschränken, ob es Beschränkungen für Einwanderung oder für fettiges Essen sind. Die schiefe Ebene, die herunterführt, ist einfach zu gefährlich.

    Ich weise Argumente, die den Staat als Lehensherren sehen (overlord) aus demselben Grund zurück; die meisten Konservativen und Libertären, die sie als Rechtfertigung für Beschränkungen von Einwanderung benutzen, schaffen es nicht, sich klarzumachen, daß solche Argumente von der extremen Linken verwendet werden oder werden können, um jeden einzelnen Plan, die Gesellschaft zu gestalten, zu rechtfertigen, den sie uns aufzwingen möchten.

Keyhole Solutions

Gastarbeiterprogramme, bei denen Menschen in einem anderen Land frei leben und arbeiten können, aber kein Wahlrecht erwerben können, können ein Beispiel für eine Keyhole Solution sein.

Die empirische Debatte

Die empirische Debatte über politische Externalitäten von offenen Grenzen ist in einer Reihe von Blogposts ausgeführt worden. Einige sind die folgenden:

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