Geschlossene Grenzen als Segregation à la Jim Crow

Der Analogie zwischen Einwanderungsbeschränkungen und den Jim-Crow-Gesetzen (Gesetze zur Erzwingung der Segregation im Süden der Vereinigten Staaten, von denen einige bis zum Civil Rights Act von 1964 überlebten) ist von mehreren Autoren nachgegangen worden:

Tell Me the Difference Between Jim Crow and Immigration Restrictions, ein Blogpost von Bryan Caplan

Are Immigration Laws like Jim Crow?, ein Artikel von David Bier in The Freeman.

Untenstehend ein Ausschnitt aus Bryan Caplans Blogpost:

Unter den Jim-Crow-Gesetzen war Diskriminierung nicht einfach nur legal. Sie war verpflichtend. Es war illegal für Schwarze, an bestimmten Orten zu leben, arbeiten und einzukaufen. Praktisch jeder hält dies heute für eine enorme Ungerechtigkeit. Das tue ich auch. Aber ich hinterfrage die Behauptung, dass die moderne amerikanische Politik dem deutlich moralisch überlegen ist. Der amerikanische Staat ordnet weiter Diskriminierung gegen eine unbeliebte Minderheit an: Illegale Einwanderer. Und diese verordnete Diskriminierung ist brutaler als irgendetwas unter Jim Crow.

Am offensichtlichsten:

1. Unter Jim Crow gab es viele Orte in Amerika, an denen es Schwarzen nicht gesetzlich erlaubt war, zu leben. Unter der gegenwärtigen Einwanderungsgesetzgebung gibt es keinen Ort in Amerika, an dem es illegalen Einwanderern erlaubt wäre zu leben.

2. Unter Jim Crow gab es viele Berufe in Amerika, die es Schwarzen nicht erlaubt war, auszuüben. Unter der gegenwärtigen Einwanderungsgesetzgebung gibt es keine Berufe in Amerika, die es illegalen Einwanderern erlaubt wäre auszuüben.

Zugegebenermaßen sind Einwanderungsbeschränkungen nicht in jedem möglichen Aspekt schlechter als Jim Crow. Am ehesten wären zu bemerken:

1. Illegale Einwanderer stehen weniger Reisebeschränkungen gegenüber. De facto, allerdings nicht de jure, sind illegale Einwanderer frei, jede Form von Transportmitteln zu nutzen, zu deren Nutzung es keiner Identifizierung bedarf; sie können per Bahn unterwegs sein, aber nicht per Flugzeug. Unter den Jim-Crow-Gesetzen war es für Schwarze entweder de jure oder de facto für viele Transportmittel nicht möglich, diese zu nutzen.

2. Die Kinder von illegalen Einwanderern stehen weniger Beschränkungen entgegen, öffentliche Schulen zu besuchen.

3. Das Tuskegee Institute schätzt, dass 3.446 Schwarze zwischen 1882 und 1968 gelyncht wurden – etwa 40 pro Jahr. Das FBI berichtete über 681 Hassverbrechen gegen Hispanics im Jahr 2010, aber bloß einer davon war ein Mord. Damit wir uns nicht allzu überlegen fühlen, merken wir uns, dass nach konservativen Schätzungen jedes Jahr mehrere hundert Einwanderer bei der Überquerung der Grenze sterben.

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