Roy Beck macht unbewusst ein Argument für offene Grenzen

In einem Video mit dem Titel “Immigration, World Poverty, and Gummiballs” argumentiert Dr. Roy Beck (CEO von NumbersUSA, einer Gruppierung für restriktive Einwanderungspolitik) dafür, dass es vergeblich ist, das Problem der weltweiten Armut zu lösen indem man einen Tropfen von Migration erlaubt.

Das Ziel von Dr. Beck ist, gegen Einwanderung zu argumentieren, aber eine vorsichtige Lesart seiner Argumente zeigt, dass sie Unterstützung für die Idee leisten, wesentlich offenere Grenzen als Mechanismus, das Bruttosozialprodukt der Welt zu verdoppeln und die weltweite Armut zu beenden.

Wo Dr. Beck richtig liegt

Dr. Beck liegt richtig in seinem Hinweis darauf, dass die Vereinigten Staaten gegenwärtig eine ziemlich kleine Anzahl von Migranten einlässt, und selbst die ambitioniertesten momentan realistischen Vorschläge, welche die Anzahl der Migranten möglicherweise verdoppeln oder verdreifachen, quantitativ unbedeutend im Verhältnis zur Größe sowohl der Vereinigten Staaten oder der Herkunftsländer der Migranten wären. Zudem hat er auch damit Recht, dass mit der Ausnahme illegaler Einwanderung (die meiste davon an der südlichen Grenze mit Mexiko) die meiste Migration in die Vereinigten Staaten die von hochqualifizierten Arbeitskräften ist, anstatt aus der Menge der paar Milliarden Menschen, die in gemäßigter und extremer Armut leben.

Deshalb hat Dr. Beck recht damit, diese Unterstützer des Status Quo zu tadeln, die glauben, dass die gegenwärtige US-Einwanderungspolitik einen signifikanten direkten Einfluss auf die Reduktion der weltweiten Armut habe. Den hat sie nicht.

Wo Dr. Beck falsch liegt und was er nicht bedenkt

Dr. Beck liegt jedoch in Bezug auf ein paar Dinge falsch. Am aller wesentlichsten ignoriert er die Tatsache, dass der Wert einer einzelnen Person, die der Armut entkommt und ihre Lebensbedingungen verbessert nicht durch die Existenz von anderen in Armut lebenden Menschen reduziert wird. Ein einzelnes hungerndes Kind zu retten ist ein nicht weniger lohnenswertes Unterfangen wenn es hundert andere hungernde Kinder gibt.

Denken air an die Geschichte The Girl and the Starfish (Zitat von Everything2.com):

Es war einmal ein großer, großer Sturm. Wellen hoch wie Berge, Winde stark wie Riesen.

Aber das ist nicht wichtig.

Was wichtig ist, da ist der nächste Tag, wenn der alte Mann Acha den Strand hinuntergeht, nach Leichen und Schätzen schaut, den letzten Überresten von Schiffen, die im Sturm in den Schlaf gefallen sind. Er hat seinen Weg sorgfältig zu wählen, denn der Strand ist von Seesternen übersät, Auswürfen aus der Tiefe. Der Sturm pflückte sie aus ihren wässrigen Betten und lagerte die armen Seelen auf der sandigen Küste ab. Acha schreitet um sie herum – viele noch am Leben. Er schlendert weiter den Strand hinauf, kümmert sich um seine eigenen Angelegenheiten, als er einen kleines Mädchen erblickt. Sie wirft Seesterne zurück in den Ozean, so viele wie sie kann, aber macht immer noch keine Eindellung in die Haufen. Der alte Mann, er wundert sich darüber und sagt:

„Warum sich mühen, welche zurückzuwerfen? Wie kann es einen Unterschied machen, wenn es so viele gibt? Du wirfst einen zurück, du stehst immer noch mit einer Tonne da? Du wirst sie niemals alle retten.“

Das kleine Mädchen, sie macht nicht einmal eine Pause um in seine Richtung zu gucken. Sie schleudert einfach weiter diese Seesterne zurück in die See. Sie hält nur lange genug inne um zu sagen:

„Es macht einen Unterschied für diesen.“

als sie ihn in den Ozean schleudert.

Wie bemerkt auf der Seite Verdopplung des Bruttosozialproduktes der Welt, eine Zusammenfassung der Literatur von Michael Clemens deutet darauf hin, dass selbst teilweise offene Grenzen zu einer größeren Wachstum des Bruttosozialproduktes der Welt als die Beseitigung aller Handels- und Kapitalbeschränkungen. Außerdem, wie auf der Seite Ende der Armut bemerkt, hat ein signifikanter Anteil der Menschen aus armen Ländern, die ihrer Armut entkommen sind, dies durch Migration geschafft, selbst unter der gegenwärtigen restriktiven Einwanderungspolitik. Die auf Staaten-Ebene aggregierten Statistiken zeichnen oft ein irreführendes Bild, was Kompositionseffekten geschuldet ist, weshalb die Entwicklungsökonomen Michael Clemens und Land Pritchett Einkommen pro Einheimischen anstatt Einkommen pro Einwohner nutzen um die Effekte von Migration auszuweisen.

Dr. Beck spielt auf manche andere Schäden für Sendeländer, insbesondere Brain Drain. Allerdings zieht er nicht die Reihe von Argumente gegen Bedenken über Brain Drain in Betracht. Und er erwähnt nicht einmal, dass Heimatüberweisungen an arme Länder ein wesentlich größeres Volumen haben als sämtliche Entwicklungshilfe.

Schlussendlich enthält Dr. Bocks Argument eine interessante Asymmetrie. Auf der einen Seite blendet er den Wert von ein paar Millionen Menschen aus Dritte-Welt-Ländern aus, die ihrer Armut entkommen und/oder ein paar qualifizierten Arbeitern aus Dritte-Welt-Ländern, die eine Arbeit in der entwickelten Welt finden können, die ihnen erlaubt, ihre Fähigkeiten zu einem größeren Nutzen für die Welt anzuwenden, auf der Grundlage, dass diese nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind. Auf der anderen Seite drückt er große Besorgnis gegenüber den noch unbedeutenderen Schäden für Einwanderungsländer aus.

Alles in allem ist es eine tolle Rede, und trotz ihrer Fehler, die sie begeht und durch Dinge, die sie auslässt, sagt sie eine richtige Sache: Was die Vereinigten Staaten heute haben ist weit von offenen Grenzen entfernt. Etwas radikaleres ist notwendig um einen rasanten Druck auf die Armut in der Welt zu verursachen. Chapeau an Dr. Beck für die Verbreitung dieser wichtigen Wahrheit!

[Aus dem englischen Original Roy Beck unwittingly makes the case for open borders von Vipul Naik, ursprünglich erschienen auf openborders.info. Übersetzt von Alexander Mengden]

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